06.12.2016

„Kunden respektieren besondere Qualität“

Firma Stahl: Optimismus nach Umstrukturierung

(Rastatt) – Noch vor einem Jahr stand die Maquet-Tochter Medikomp in der Kehler Straße kurz vor Ihrer Schließung. Die Fertigung sollte nach Osteuropa verlagert werden. Mehr als 200 Arbeitsplätze standen auf der Kippe.

Inzwischen hat sich das Blatt gewendet und Teile der ehemaligen Medikomp firmieren unter dem Namen Stahl, Metall- und Medizintechnik GmbH. „Wir haben die Firma nur übernommen, weil wir gesehen haben, was die Mitarbeiter können“, darüber sind sich die beiden Geschäftsführer Christian Keller und Wolfgang Hohnhaus einig. Hochdefizitär sei das Unternehmen damals gewesen, aber Hohnhaus und Keller waren und sind davon überzeugt: „Daraus kann man etwas machen.“ Vor allem, weil die Firma Besonderheiten hat, die man sonst kaum findet – wie etwa die Kombination von Fräsen, Drehen, Schweißen in kleinen Stückzahlen. Mitbewerber gebe es jeweils nur in den Teilbereichen, aber in Rastatt komme alles aus einer Hand. „In so hoher Wertschöpfungstiefe gibt es keine andere Fertigung kleiner Serien in Deutschland.“

Wichtige Schritte sind bei Stahl nach einem Jahr getan, rund drei Millionen Euro wurden in Maschinen und IT investiert und erste neue Kunden akquiriert. Größter Kunde ist derzeit noch der zum schwedischen Getinge-Konzern gehörende Medizingeräte-Hersteller Maquet.

„Bisher gab es eine Abhängigkeit von 90 Prozent von Maquet-Aufträgen, unser Ziel ist es, unter 50 Prozent und damit auf mehrere Standbeine zu kommen“, blickt Wolfgang Hohnhaus in die Zukunft.

Stolz sind Hohnhaus und Keller darauf, dass sie trotz Umstrukturierungen seit einem Jahr niemanden entlassen mussten, denn das Know-how und die Fähigkeiten der Mitarbeiter seien zwar teuer, dafür aber auch besonders gut. 225 Mitarbeiter sind derzeit bei Stahl in Rastatt beschäftigt, hinzu kommen 20 Mitarbeiter in Ötigheim. Dort hat die ‚Stahl Hygienic Room Solutions‘ ihren Sitz, die auf modulare Räume aus Edelstahl spezialisiert ist. In Rastatt steht dagegen die Entwicklung und Fertigung von Edelstahlkomponenten für Medizintechnik, Nahrungsmittelindustrie und Pharmaindustrie im Vordergrund.

Höchste Präzision, eine engagierte, erfahrene Mannschaft und die Produktion kleinerer Serien sind die Pfunde, mit denen die Firma Stahl wuchern kann – und „die Kunden respektieren Qualität“. Deswegen stehen die Chancen auch recht gut, im kommenden Jahr aus den roten Zahlen zu kommen. Mittelfristiges Ziel ist es, in Rastatt und Ötigheim zusammen rund 40 Millionen Euro Umsatz zu machen. „Wie haben hier einen Rohdiamanten und der braucht noch ein bisschen Zeit, um geschliffen zu werden“, umschreiben Christian Keller und Wolfgang Hohnhaus etwas poetisch die Kapazität und die Entwicklungsmöglichkeiten ihres Unternehmens. „Wir glauben daran“, sind beide überzeugt, „dass die Belegschaft stolz sein kann auf den Standort und auch ihren Beitrag dazu leistet, dass die Firma Stahl mit ihrer Produktion in Deutschland erfolgreich ist.“

Die derzeitigen Umbau- und Erneuerungsarbeiten sollen im Sommer 2017 abgeschlossen sein. Was aber kein Ende der Investitionen bedeutet: Mit rund zehn Millionen Euro in zehn Jahren rechnen die beiden Geschäftsführer – und vielleicht mit dem Hinzukauf „weiterer spannender Firmen“.

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